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Gerichtliche Verhandlungssimulation

 
 

Kooperation zwischen Landgericht Göttingen und Juristischer Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen


Intervisionsfortbildung für Proberichter/-innen

Verhandlungspraxis für Referendare/-innen

Schlüsselqualifikation für Studierende


Zweck dieser seit Oktober 2017 eingerichteten Veranstaltungsreihe ist es, ein Forum zum Austausch über schwierige Verhandlungssituationen im Zivil- und Strafprozess für Proberichter/-innen, kürzlich auf Lebenszeit ernannte Richter/-innen und für Staatsanwälte/-innen auf Probe zu bieten sowie Referendarinnen und Referendaren wie auch Jurastudierenden einen Einblick in die gerichtliche Verhandlungspraxis zu geben.

Im zweimonatigen Turnus simulieren die Teilnehmenden im kleinen, überschaubaren Rahmen in Rollenspielen im Gerichtslabor der Juristischen Fakultät der Universität Göttingen konfliktträchtige Verhandlungssituationen aus dem Straf- und Zivilrecht, die digital aufgezeichnet werden. Je nach Wunsch kann im Rahmen dieser Fortbildungsreihe jeder Proberichterin und jedem Proberichter während ihrer/seiner Probezeit sowie den teilnehmenden jung verplanten Richterinnen und Richtern die Gelegenheit geboten werden, eine Verhandlung zu leiten. Auch interessierte Referendarinnen und Referendare haben in diesem Rahmen zur Vorbereitung ihrer späteren beruflichen Karriere die Möglichkeit, die Richterrolle zu übernehmen. Dies soll als Angebot verstanden werden. Selbstverständlich besteht für alle Teilnehmenden die Möglichkeit, sich zunächst mit dieser Situation vertraut zu machen und für sich zu entscheiden, ob sie eine aktive Rolle in dem Rollenspiel übernehmen möchten.

Die Verhandlungssituationen und die Rollen werden nach im gerichtlichen Alltag konkret erlebten Sitzungen konzipiert; alle Teilnehmenden erhalten ein paar Tage vor der Verhandlung einen Aktenauszug per E-Mail, um sich wie in der Realität kurz auf die Verhandlung vorbereiten zu können. Die am Rollenspiel Beteiligten können sich mit ihren Rollen durch vorab übermittelte, kurze Rollenbeschreibungen vertraut machen. Ein Einstieg ist jederzeit möglich, die Veranstaltungen bauen nicht aufeinander auf.

In einem sich jeweils an das Rollenspiel anschließenden Feedback nach den Grundsätzen der Gruppenintervision werden unter fachlicher Unterstützung einer erfahrenen Richterin bzw. eines erfahrenen Richters, des „Fachcoaches“, einzelne Facetten der Verhandlung beleuchtet. So kann nicht nur von den beobachtenden, sondern auch von den die Prozessbeteiligten verkörpernden Teilnehmenden ein hautnahes Bild über Wirkungsweise und Verhandlungsgeschick der Richterperson vermittelt werden. Unter dem Mantel der Vertraulichkeit und in wertschätzender Atmosphäre gewinnen alle Teilnehmenden auf diese Weise auf Augenhöhe einen tiefen Einblick in Kommunikationsmechanismen und Dynamik einer komplexen Verhandlungssituation, immer unter Berücksichtigung der von der jeweiligen Prozessordnung vorgehaltenen Mittel. In diesem Rahmen hat die Richterperson die Gelegenheit, Strategien bzw. Verhaltensweisen zu erproben und unmittelbar im Anschluss im Rahmen der Gruppenintervision je nach Wunsch ein Feedback, Tipps, weitere Handlungsoptionen etc. zu erhalten und somit von den Erfahrungen der Kolleginnen und Kollegen zu profitieren. Hierdurch bietet sich die Möglichkeit für die Richterperson, unter Berücksichtigung ihrer Persönlichkeit ihre jeweiligen Stärken und Potenziale und die Art und Weise des effektivsten Einsatzes der Verhaltensweisen in der Verhandlung einzuschätzen. Besonders hervorzuheben sind auch die Sichtweisen der "Fachcoaches", die aus ihrem reichhaltigen Erfahrungsschatz zahlreiche wertvolle Informationen für den Umgang mit schwierigen Verhandlungssituationen in das Gespräch einbringen.

Die digitale Aufzeichnung der Verhandlungssituation, auf der mit einer Zwei-Kamera-Einstellung nicht nur die Richterperson, sondern auch die Aktionen und Reaktionen der Prozessbeteiligten zu sehen sind, wird der Richterperson im Anschluss ausgehändigt. Sie/Er erhält zusätzlich die Gelegenheit, eine Einzelintervision mit dem „Fachcoach“ in Anspruch zu nehmen, im Rahmen derer in einem Vier-Augen-Gespräch - ggf. auch unter Heranziehung der digitalen Aufnahme - einzelne Aspekte der Verhandlungssituation besprochen werden können.

Das Verhandlungsgeschick, der Ideenreichtum und nicht zuletzt auch die schauspielerischen Fähigkeiten der jungen Kolleginnen und Kollegen sind beispielhaft. Einen großen Gewinn stellt auch die Teilnahme der Studierenden dar, die mit Engagement und guter Rhetorik gerne Rollen übernehmen und damit - neben ergänzend gehaltenen Kurzreferaten zu straf- und zivilprozessualen Themen in gesonderten Terminen - praktische Erfahrung in Straf- und Zivilverhandlungen sammeln und nach einem Semester eine Schlüsselqualifikation als Examensvoraussetzung erwerben. Die Studierenden tragen zudem zu einem für alle Teilnehmenden gewinnbringenden Austausch über interessante, wichtige Aspekte bei; hierzu seien beispielsweise Fragestellungen „Wie wirken Richterinnen und Richter auf Beteiligte und Außenstehende?“ oder „Was erwarten und verstehen Bürgerinnen und Bürger von Gerichtsverhandlungen?“ genannt. Eine Auseinandersetzung mit den unterschiedlichen Sichtweisen, Anregungen wie auch kritischen Anmerkungen lohnt sich schon allein im Hinblick darauf, die Justiz in Bürgernähe zu halten.

Sinn und Zweck dieser Veranstaltung ist ein möglichst breiter Erkenntnisgewinn auf den Feldern des Prozessrechts, der Kommunikation sowie der Verhandlungspsychologie, aber nicht nur. Ziel ist es auch, eine neue Tür für die Nachwuchsgewinnung zu öffnen. Gemeinsames Agieren soll bei Studierenden sowie Referendarinnen und Referendaren Interesse und Begeisterung für die Justiz wecken. Es zeichnet sich bereits jetzt ab, dass dies mit der Veranstaltungsreihe "Gerichtliche Verhandlungssimulation" gelingt. Die Veranstaltung macht, wie die bisherigen Durchgänge gezeigt haben, den Teilnehmenden viel Spaß. Herzhaftes Lachen ist angesagt, wenn in den Verhandlungen z. B. eine Partei sich in der Hitze der Verhandlung richtig aufregt oder ein Bauunternehmer einfallsreich seinen Werklohn geltend macht. Insbesondere den Referendarinnen und Referendaren, aber auch den Studierenden kann durch die simulierten Verhandlungen und die informellen Gespräche mit jungen und erfahrenen Richterinnen und Richtern ein unmittelbarer Einblick in die künftige Berufswelt gegeben werden. Sie können ihre prozessrechtlichen Kenntnisse vertiefen, je nach Wunsch durch die Übernahme einer Rolle bereits Verhandlungserfahrung sammeln und erhalten die Gelegenheit, wertvolle Informationen zur Konkretisierung ihres Berufswunsches zu gewinnen. Auch die Übernahme der Richterrolle kann Referendarinnen und Referendare auf ihrem Weg der Berufsfindung fundiert voranbringen.

Die Vielschichtigkeit einer jeden Veranstaltung - über eigene und fremde Interessen, Ziele und Emotionen nachzudenken, die Erfahrungen der Beteiligten zu vergleichen, immer unter Berücksichtigung der jeweiligen prozessualen Gegebenheiten - bewirkt eine intensive Auseinandersetzung der Teilnehmenden mit der jeweiligen Verhandlung sowie auch darüber hinaus, die sich nicht zuletzt in zahlreichen anschließenden Gesprächen fortsetzt. Am Ende stehen ein vertieftes Verständnis für schwierige Situationen sowie viele neue Denk- und Lösungsansätze für künftige Verhandlungen, einhergehend mit gewinnbringenden Einblicken in den Richterberuf im Allgemeinen und im Besonderen.

Aktuelles in Kürze:

Termine:

Freitag, 21.02.2020 (Zivilrecht)

Donnerstag, 25.06.2020 (Zivilrecht)

Montag, 24.08.2020 (Strafrecht)

jeweils um 14:00 Uhr (bis maximal 16:30 Uhr)


Ort: Gerichtslabor der Juristischen Fakultät der Georg-August-Universität

Göttingen, Verfügungsgebäude, Universitäts-Campus,

Platz der Göttinger Sieben 7


Ansprechpartnerin: Intervisorin Frau Richterin am Landgericht Dr. Gesine Weinrich


Gerichtslabor der Juristischen Fakultät der Universität Göttingen
 
Gerichtslabor
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